Am 20. November 2025 haben 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmer den JourTag besucht. Die Diskussionen lassen den Schluss zu: Verloren ist trotz allem Pessimismus nichts.
Bullshit in Medienmitteilungen ist ein Ärgernis, mit dem sich alle Journalistinnen und Journalisten herumärgern müssen. «Warum eigentlich?», fragte TEDx-Talkerin Ivana Leiseder im Rahmen eines Panels des JourTags 2025. Sie kreuzte die Klingen mit Andreas Hugi, Gründer und CEO der Beratungsagentur Furrerhugi.

Die Sinnfrage stellte auch Satirikerin Lisa Christ, die den Tag in den Räumen der ZHAW Winterthur eröffnete. Sie sah zwar Ähnlichkeiten zwischen Journalismus und ihrem eigenen Handwerk, äusserte sich aber auch durchaus kritisch über die Branche. Die negative Stimmung in der Branche erfasste sie in ihrem Schlusswort perfekt: «Ich kann das selten sagen. Aber ich glaube, dass ich als selbständige Kulturschaffende in der stabileren Branche arbeite als ihr.»

Das war zwar lustig, aber nicht ganz falsch. Und trotzdem zeigte sich in den folgenden Panels ein durchaus anderes Bild der Branche: Vertreterinnen und Vertreter aus verschiedenen Firmen und mit verschiedenen Aufgaben waren sich einig darin, dass gerade wegen KI Qualitätsjournalismus der einzige Weg aus der Krise ist.
Nähe hilft immer noch
Zum Beispiel die Jugend: Simona Boscardin von On Fire und Tizian Schöni von WNTI erklärten, dass der traditionelle Journalismus nicht schlecht sei. Während Boscardin aber die Übersetzungsleistung für die Jungen machen und aus ernsten Themen «geilen Scheiss» produzieren will, erklärte Schöni freimütig: «Wir machen nichts Neues oder Verrücktes. Aber wir machen es, das ist der Unterschied.» Die beiden formulierten als Erfolgsrezepte dann auch Dinge, die für alle machbar sind: Freude am Machen und Ausprobieren und Nähe zur Kundschaft.

In einem anderen Panel diskutierten die Reichweitenverantwortlichen von Watson, Tamedia und Blick über eine Welt ohne Google. Allerdings sei das Zero-Click-Internet bei ihnen noch gar nicht so präsent, meinten sie einhellig. Denn ein wesentlicher Teil des Google-Traffics stamme nicht von klassischen Suchanfragen, sondern aus der Discover-Funktion, die Artikel direkt als Übersicht ausspielt.

Tina Huber (Tamedia), Leo Helfenberger (Watson) und Flavio Razzino (Blick) waren sich aber trotzdem einig, dass die Vorbereitung auf eine Welt ohne Google nur über gute Inhalte funktionieren kann. «Artikel nur für Google zu schreiben, macht keinen Sinn», sagte zum Beispiel Helfenberger. Es gehe darum, die Menschen via Google zu erreichen. Und das geschehe über gute Inhalte. «Überraschende Zugänge zu einem Thema» ist das Erfolgsrezept von Tina Huber. Und alle drei waren sich einig: Bei aller Bedeutung von SEO gibt es auch Themen, die man machen muss, auch wenn sie nicht optimale Zahlen erreichen werden. Es seien Themen und Formate, mit denen man die Markenidentität stärke und so auch noch unabhängiger von Techkonzernen werde.
Das Beste steht am Schluss
Christoph Zimmer ist Leiter Produkt beim Spiegel in Hamburg. Auch er betonte in seiner Closing Keynote: «Wir stehen nicht im Wettbewerb mit irgendeinem Chatbot, sondern mit der Beliebigkeit.» Und daraus generierte er seine Learnings für die Zukunft von Medienfirmen. Es gehe darum, das Profil zu schärfen und Einordnung zu bieten. Zudem müssten Medien nahbarer werden und die Wichtigkeit von Communitys beachten. Und das könne im Übrigen digital wie physisch verstanden werden.
Die Diskussion zwischen Andreas Hugi und Ivana Leiseder lieferte übrigens keine wirkliche Antwort darauf, warum Medienmitteilungen sind, wie sie sind. Ein paar Gemeinsamkeiten haben die beiden aber gefunden. Unter anderem, dass die besten Inhalte immer am Ende einer Medienmitteilung zu finden sind.

Nach dem Eröffnungsfurioso von Lisa Christ übernahm Natalia Widla mit ihrer Keynote zum Umgang der Schweizer Medien mit Femiziden. In eindrücklichen Worten zeigte sie auf, wie Medienschaffende mit ihren Sprachbildern Kultur verändern. Die Situation sei zwar besser geworden, räumte Widla ein. Aber eben auch noch nicht gut. So zeigte sie eine Doppelmoral im Umgang mit Suizid und Femizid auf. Während ersteres in der Regel wegen des Werther-Effekts in den Medien nicht aufgegriffen wird, wird aus einem Femizid immer wieder eine True-Crime-Episode mit detaillierten Schilderungen von Gewalt und Erotisierung. Widla präsentierte eine rote Liste für den Umgang mit Femiziden, die in jeder Redaktion gross hängen sollte.







Der nächste JournalismusTag findet am 19. November 2026 statt.
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Medienspiegel
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